Wann endlich fährt das Auto alleine?
Ick muss ehrlich sein: Ick bin kein Fahrer.
Das klingt komisch für jemanden der einen Führerschein hat, aber es ist die Wahrheit. Wir haben ein Auto – auf meine Frau angemeldet, steht zu 95 Prozent vor der Tür und bewegt sich nur wenn jemand anderes das Steuer übernimmt. Das war eine Weile meine Frau, mittlerweile ist es meine Tochter die seit einem Jahr fährt und mit ziemlicher Sicherheit bereits besser ist als ick es je war. Sie fährt mich auch gerne rum, keine Beschwerden von meiner Seite – aber wenn ick ehrlich bin, würde ick das Gefühl lieben einfach einzusteigen, eine Adresse einzutippen oder sogar noch besser nur anzusagen ohne dass jemand dafür seine Zeit für mich opfern muss.
Also: Wann ist das endlich möglich?

Die Idee ist nicht neu. Die Umsetzung schon.
Autonomes Fahren ist seit Jahren das Versprechen das die Autoindustrie, Silicon Valley und gefühlt jede zweite Startup-Präsentation der letzten Dekade gemacht hat. Level 5 – vollständig autonom, kein Lenkrad nötig, einfach einsteigen und fahren lassen – ist technisch seit Jahren das erklärte Ziel. Und trotzdem sitzt man immer noch selbst hinterm Steuer.
Dabei wäre der Bedarf riesig. Nicht nur für Leute wie mich die das Fahren maximal einmal im Jahr praktizieren und sich dabei fühlen als würden sie eine Fremdsprache sprechen die sie vor vierzig Jahren mal gelernt haben. Sondern für alle.
Die Idioten-auf-der-Straße-These
Hier muss ick kurz Dampf ablassen, weil es ein echter Punkt ist.
Stau entsteht nicht aus dem Nichts. Stau entsteht, weil Menschen zu spät bremsen, zu früh beschleunigen, den falschen Moment zum Spurwechsel wählen und kollektiv so viel Unvorhersehbarkeit in den Verkehrsfluss einbringen, dass das gesamte System ins Stocken gerät. Studien zeigen das – Verkehrsforscher nennen es Phantomstau, und er entsteht einzig und allein durch menschliches Fahrverhalten. Keine Baustelle, kein Unfall, einfach zu viele Menschen die nicht gleichmäßig fahren.
Autonome Fahrzeuge würden kommunizieren. Gleichmäßig beschleunigen und bremsen. Abstände halten die physikalisch sinnvoll sind statt emotional begründet. Das Ergebnis wäre ein Verkehrsfluss der tatsächlich fließt – und deutlich weniger Unfälle, denn der Großteil aller Verkehrsunfälle hat eine Ursache die sich mit zwei Worten zusammenfassen lässt: menschliches Versagen.
Keine Ablenkung durch Handys. Kein Sekundenschlaf. Keine schlechte Laune die sich in aggressivem Überholen ausdrückt. Kein „ich dachte der hat mich gesehen”. Nur Algorithmen die das tun was sie sollen – sicher und effizient von A nach B.

Wann ist es soweit?
Das ist die Frage die mich wirklich beschäftigt. Technisch ist vieles möglich – Waymo fährt in amerikanischen Städten bereits vollständig autonom, Tesla verspricht seit Jahren mehr als es hält, diverse Hersteller testen auf deutschen Autobahnen. Aber der Weg vom Testbetrieb unter kontrollierten Bedingungen zur echten Alltagstauglichkeit ist noch weit. Regulatorik, Haftungsfragen, Infrastruktur – all das bremst aus was technisch längst möglich wäre.
Meine ehrliche Erwartung: In deutschen Städten, flächendeckend, für Privatpersonen – frühestens Ende dieses Jahrzehnts. Vielleicht. Wahrscheinlich später.
Bis dahin fährt meine Tochter. Die macht das hervorragend, besser als ick es je hinbekommen hätte, und sie beschwert sich auch nicht. Aber der Tag wo ick einfach einsteige, „bring mich da hin” sage und dabei ein Buch lese – der kommt. Und ick warte.
— Daniel

Bin gespannt, wann es soweit sein wird. Ob ich es noch erleben werde?