Person am Kuechentisch mit Papierchaos und Laptop

Nebenberuflich selbstständig – ein Erfahrungsbericht

Person am Küchentisch mit Papierchaos, Laptop und Kaffee im Morgenlicht
Nebenberuflich selbstständig – in der Theorie ein Nachmittag.

Es gibt so Sachen, die klingen in der Theorie nach einem Nachmittag. Nebenberuflich selbstständig machen – wie schwer kann das schon sein? Gewerbe anmelden, Konto eröffnen, loslegen. Spoiler: Es ist kein Kinderspiel. Es ist eher so, als würdest du einen IKEA-Schrank aufbauen, bei dem die Hälfte der Schrauben fehlt und die Anleitung auf Schwedisch ist. Ohne Bilder.

Der Fragebogen, der alles infrage stellt

Alles fing am 30. März 2026 an, rückwirkend zum 1.3.26 selbstständig melden, nur nebenberuflich. Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung – wer ihn noch nicht ausgefüllt hat, darf sich auf ein paar sehr intensive Stunden freuen. Nicht weil die Fragen so schwer sind, sondern weil man plötzlich über Dinge nachdenkt, über die man vorher lieber nicht nachgedacht hat. Was erwartest du an Einnahmen? Bist du Kleinunternehmer oder nicht? Willst du das wirklich? Also wirklich wirklich?

Ick hab den Bogen ausgefüllt. Dann kam ELSTER. Noch ein Formular. Noch mehr Felder. Wie viel Kohle erwartest du? In welchem Quartal? Brutto, netto, mit Umsatzsteuer, ohne? Die Stunden fliegen dahin, und am Ende bist du dir nicht mal sicher, ob du alles richtig gemacht hast.

Das Finanzamt mahnt – obwohl du schon alles abgeschickt hast

Ein paar Wochen später lag eine Mahnung im Briefkasten. Vom Finanzamt. Obwohl ick längst alles eingereicht hatte. Ein Glück, dass es heutzutage E-Mail gibt – das ließ sich klären. Aber der kurze Schock sitzt trotzdem.

Was sich nicht so schnell klären lässt: die Steuernummer. Nach über vier Wochen hatte ick immer noch keine. Und die brauche ich dringend, denn ohne Steuernummer kündigt mir das nächste Geschäftskonto.

Konten, Kündigungen und Kosten

Ja, richtig gehört – das erste Geschäftskonto hat mir bereits gekündigt. Wahrscheinlich zu klein, keine Einnahmen, zu uninteressant. Danke für nichts. Das zweite Konto gibt mir immerhin drei Monate Zeit, eine Steuernummer vorzulegen. Drückt mir die Daumen.

Und dann die Kosten, die du erstmal haben musst, bevor du auch nur einen Cent verdienst. Die Buchhaltungssoftware alleine kostet mich 25 Euro im Monat. Klingt nach wenig, aber das muss erstmal jemand reinholen. Dazu kommt eine Impressumsadresse, weil die eigene Privatadresse im Impressum eines Buchs – naja, wer macht das schon freiwillig? Also zahlt man dafür. Werbung auf Amazon: 400 Euro eingeplant. Ob ick die jemals wiederseh, steht in den Sternen.

Die Sache mit den kostenlosen Exemplaren

Was mich besonders beschäftigt: Alle wollen kostenlose Exemplare. Sonst wird nicht gelesen, sonst wird nicht geworben, sonst passiert nichts. Und ick frag mich – reicht denn nicht die Leseprobe? Muss es wirklich das ganze Buch umsonst sein, damit jemand drüber redet? Für die Bettler der Gegenwart, auch bekannt als Influencer, scheint das selbstverständlich zu sein. Für mich nicht.

Deadline Dezember

Meine Frau hat ein Machtwort gesprochen – und ick finde das richtig gut. Bis Dezember 2026 muss sich zeigen, ob das Ganze Sinn ergibt. Sonst wird das Projekt eingestellt. Klingt hart, ist aber vernünftig. Denn ohne so eine Grenze verbrennt man Tausende Euro und redet sich ein, dass es „bald” besser wird. Einer muss den Überblick behalten und ein bisschen Druck machen. Bei uns ist das sie.

Kalenderseite Dezember mit roter Markierung und kleiner Topfpflanze
Bis Dezember. Einer muss ja den Überblick behalten.

Steuererklärung? Alleine.

Ach ja – unseren bisherigen Steuerberater über den Lohnsteuerhilfeverein dürfen wir für die Selbstständigkeit nicht mehr nutzen. Das heißt: Die nächste Steuererklärung mache ick alleine. Das wird ein Graus. Aber das ist ein Problem für das zukünftige Ich.

Respekt an alle, die das durchziehen

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wer sich nebenberuflich selbstständig gemacht hat, weiß wovon ick rede. Die Bürokratie, die Kosten, die Unsicherheit – das ist nichts, worauf einen jemand vorbereitet. Respekt an alle, die das schon hinter sich haben und trotzdem durchhalten.

Ick melde mich wieder mit Updates. Mal schauen, was bei rumkommt.

— Daniel

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